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Presseecho: Eröffnung
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Stuttgarter Zeitung, 25.11.00
STUTTGART. Nach Angaben der Partei ist es eine Weltpremiere: Der
baden-württembergische Landesverband der Grünen veranstaltet seit gestern
erstmals einen Parteitag im Internet.
Von Klaus Fischer
Mit gespannten Erwartungen haben die Mitglieder des geschäftsführenden
Landesvorstands der Grünen gestern den ersten virtuellen Parteitag eröffnet.
Als Ergebnis erhoffen sie sich neue, erweiterte Möglichkeiten für die
innerparteiliche Willensbildung und eine größere Transparenz politischer
Entscheidungen. Das Hauptziel dieses Modellprojekts sei "ein Mehr an
Demokratie'', erklärte der Vorsitzende des baden-württembergischen
Grünen-Landesvorstands, Andreas Braun, zum Auftakt der Veranstaltung, die
sich über zehn Tage hinzieht und bis 3. Dezember dauert.
Der virtuelle Parteitag ist in Anlehnung an einen kleinen Landesparteitag
organisiert, der bei den Grünen Landesausschuss heißt. Allerdings findet die
Veranstaltung ausschließlich im Internet statt. Teilnehmen können sämtliche
Mitglieder des Grünen-Landesverbands, zurzeit rund 7500. Stimmberechtigt sind
allerdings, wie bei regulären Parteitagen, nur die hundert Delegierten, die
von den Kreisverbänden bestimmt worden sind, sowie die Mitglieder des
Landesvorstands und des Parteirats. Gaststatus kann, wie einer offiziellen
Übersicht aus der Parteizentrale zu entnehmen ist, "die ganze Welt'' in
Anspruch nehmen, weil jedermann die Diskussion übers Internet verfolgen kann.
Inhaltlich geht es bei dem virtuellen Parteitag um zwei Themen: die
Ladenöffnungszeiten und die modernen Formen der elektronischen Demokratie.
Die Beratung spielt sich allerdings wesentlich anders ab als bei normalen
Parteitagen. Beide Tagesordnungspunkte werden nämlich gemeinsam aufgerufen
und gleichzeitig diskutiert. Es bedarf weder des bei den Grünen üblichen
Losverfahrens zur geschlechtsspezifisch geordneten Zuteilung des Rederechts
noch einer Redezeitbegrenzung; jeder kann sich so oft und so lang zu Wort
melden, wie er möchte.
Die Organisatoren gehen davon aus, dass sich jeder Delegierte im Schnitt
einmal am Tag "einloggt'', sich einen Überblick über den Stand der Diskussion
verschafft und einen eigenen Beitrag absetzt. Auf diese Weise soll eine
permanente Meinungsbildung entstehen. Mitglieder des Parteipräsidiums
begleiten den Prozess, indem sie in regelmäßigen Abständen, etwa stündlich,
moderierend eingreifen und am Ende dazu beitragen, dass zur Abstimmung klare
Alternativen vorliegen.
Für die Teilnahme am virtuellen Parteitag wurden umfangreiche
Sicherheitsmaßnahmen notwendig. Wer sich von den Mitgliedern (und gezielt
eingeladenen "Gastrednern'') an der Diskussion beteiligen will, muss sich von
der Parteizentrale einen Nutzernamen und ein Passwort besorgen. Bis
Freitagmittag hatten davon aber erst 120 Mitglieder Gebrauch gemacht;
aufgrund des im Vorfeld registrierten Echos rechnet die Zentrale allerdings
mit zunehmendem Interesse. Die Delegierten wurden mit Wahlscheinen
ausgestattet, die vor Abstimmungen jeweils freigeschaltet werden müssen. Nach
Angaben von Marc Mausch, dem "Erfinder" des virtuellen Parteitags, sind die
Abstimmungen "sicherer als das Internet-Banking".
Die Kosten der Veranstaltung entsprechen nach Angabe des
Parteischatzmeisters, Harald Dolderer, mit rund 20000 Mark ungefähr denen
eines normalen kleinen Parteitags. Einen vollen Ersatz stellt der virtuelle
Parteitag indes nicht dar. Wegen des experimentellen Charakters dieser
Veranstaltung, dessen Bewertung selbst das Schiedsgericht des Landesverbands
überfordert, hat sich die Grünen-Führung entschlossen, zur Sicherheit alle
Beschlüsse vom nächsten regulären Parteitag bestätigen zu lassen.
Das Experiment wird von der Heinrich-Böll-Stiftung wissenschaftlich
begleitet. Nach Aussage der Landesvorsitzenden Monika Schnaitmann besteht
reges Interesse an der Einsatzmöglichkeit solch neuer Kommunikationsformen.
Zahlreiche Orts- und Kreisverbände der Grünen begleiten das Ereignis mit
lokalen Internet-Cafés und Parteitags-Chats.
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lsw 24.11.00
Südwest-Grüne starten Parteitag per Mausklick
Stuttgart (lsw) - Mit ihrem virtuellen Parteitag schreiben die Grünen im Land
Technik- und Politikgeschichte. Zum ersten Mal öffnet die Partei ihre
Diskussions- und Beratungsprozesse - nachlesbar für alle im Internet.
Abstimmen dürfen 100 Delegierte, die sich dazu mit einem Passwort ausweisen
müssen. Mitdiskutieren können via Internet alle Mitglieder der Landes-Grünen.
Auch Besucher können ihre Meinung in so genannten Gesprächsforen äußern. "Ich
bin ungefähr so aufgeregt wie vor einem Weltraumflug.'' Der 29-jährige Marc
Mausch, der Hauptorganisator des ersten virtuellen Delegiertentreffens der
Südwest-Grünen, atmet auf, als er um 11.47 Uhr mit einem Mausklick in der
Landesgeschäftsstelle der Partei den elektronischen Startschuss für die
Veranstaltung im weltweiten Netz gibt.
Damit niemand die Teilnahme verpasst, ist für Abstimmungen jeweils ein
Zeitraum von 24 Stunden vorgesehen. Für Redebeiträge muss das "Redepult''
angeklickt werden. Aber es gibt auch Gesprächszirkel und Mauschelecken unter
der Rubrik "Parteitagsgeflüster''. Im Unterschied zu richtigen Parteitagen
bleibt aber bei der virtuellen Veranstaltung nichts verborgen, weil alle
alles mitverfolgen können.
Drei Stunden nach Beginn der zwei Wochen dauernden Veranstaltung hält sich
die Lust der Grünen an der virtuellen Diskussion über Ladenschluss oder
elektronische Bürgerdemokratie in Grenzen. Heike Dederer aus Ludwigsburg
schreibt: "Ich bin für die Erweiterung des Ladenschlusses.'' Vielen
Berufstätigen werde ermöglicht, auch abends einzukaufen. Carsten Gabbert vom
Parteitagspräsidium plädiert für einen Mittelweg: "Die jetzige Regelung ist
etwas anachronistisch und wird durch die zahlreichen Ausnahmeregelungen, die
ich für vernünftig halte, ad absurdum geführt.'' Zum Thema elektronische
Bürgerdemokratie meldet sich in den ersten Stunden gar niemand.
Grünen-Landeschef Andreas Braun sieht den virtuellen Parteitag als
Experiment, mit dem neue Beteiligungsformen möglich würden. Die
Parteiendemokratie könne damit verbessert werden. Die Veranstaltung sei auch
nicht vergleichbar mit dem, was vor gut einer Woche die Bundes-CDU als
virtuellen Parteitag bezeichnete. Dabei konnten im Vorfeld eines Kleinen
Bundesparteitags in Stuttgart in einem öffentlich nicht zugänglichen
Internet-Bereich CDU-Mitglieder ihre Meinung zu bildungspolitischen Themen
kundtun.
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Südkurier (25.11.00)
Grüne starten virtuellen Parteitag
100 Delegierte debattieren zehn Tage im Netz · Vorstand spricht vom
Weltpremiere
Stuttgart - Startklick bei den Grünen: Gestern Mittag um zwölf Uhr begann der
"weltweit erste virtuelle Parteitag einer politischen Partei", so der
Landeschef von Bündnis 90/Die Grünen Andreas Braun. Man wolle ein bisschen
mehr Demokratie in die Parteienlandschaft bringen, begründete er. 100
Delegierte aus den Kreisverbänden haben sich · so die Voraussetzung für eine
Teilnahme · ein Passwort geben lassen. Redeberechtigt sind jedoch alle rund
7500 Mitglieder der Südwest-Grünen. Und Gäste haben zumindest Zutritt zur
virtuellen "Tagungshalle".
VON SÜDKURIER-REDAKTEURIN GABRIELE RENZ
Der Stolz auf die Neuerung ist ihnen anzusehen · auch wenn nicht jeder Klick
auf Anhieb das Gewünschte auslöst. "Wir nehmen eine Vorreiterrolle ein", sagt
Grünen-Chef Braun. Monika Schnaitmann, die Mitvorsitzende, verweist
begeistert auf die neuen Formen der Kommunikation, auf ein Mehr an Teilhabe.
So laden einige Kreisverbände in Internetcaf‚s und zu Gesprächsforen ein, die
Basisdemokratie erhält laut Schnaitmann eine ganz neue Qualität.
In der Tat öffnet sich die Partei auch "Menschen, die zufällig vorbeisurfen"
(Braun). Abstimmen und Anträge stellen dürfen nur die Delegierten. Zu den
beiden Schwerpunktthemen Ladenschluss und "elektronische Bürgerdemokratie"
wird es formale Beschlüsse geben. Gültig sind sie aber noch nicht. Der
virtuelle Parteitag kann derzeit einen realen noch nicht ersetzen. Die
Klärung zwischen Landesschiedsgericht und Grünen-Justiziar läuft. Deshalb
wird das Ergebnis des Virtuellen Parteitages im Mai 2001 "formal" vom
Grünen-Parteitag zur Kenntnis genommen.
Durch die Windows-Welt
"Der eigentliche Abstimmungsbereich ist sicherer als Internetbanking",
versichert Marc Mausch, auf dessen Initiative das Projekt zurückgeht. Der
29-Jährige klickt sich routiniert durch die Windows-Welt des Parteitages. Für
weniger versierte Delegierte ("absolute Notfälle") hat die Partei ein
Telefondienst eingerichtet. "Wir haben gehofft, dass wir das möglichst
intuitiv machen können", sagt Mausch. Am Wochenende, 1. und 2. Dezember, sind
Abstimmungstage geplant. Die relativ geringe Delegiertenzahl sieht Andreas
Braun gelassen. Man gehe davon aus, dass sich "mehr beteiligen als an einem
normalen Parteitag", dass viele am Experiment teilhaben wollten.
"Politische Willensbildungsprozesse sollen sich auch im Internet abspielen",
sagt Schatzmeister Harald Dolderer. Doch die Medienkompetenz stelle viele
Menschen vor Probleme. Die Lösung, die sich die Grünen vorstellen, findet
sich in einem Antrag des Landesvorstandes. Darin wird gefordert, möglichst
vielen Menschen einen Zugang zum Internet - beispielweise durch öffentlich
zugängliche Terminals - zu ermöglichen.
Die Kosten des Virtuellen Parteitages sind ebenso hoch wie die eines realen.
Rund 20.000 Mark haben die "Software-Anpassungen" verschlungen. Das werde bei
künftigen Online-Versammlungen nicht mehr investiert werden müssen, so
Dolderer. Es wird also billiger.
Geboten wird nicht nur Parteidiskussion. Die "Tagungshalle" erlaubt für jeden
zugänglich auch Klicks auf "Parteitagsgeflüster" oder auf "Redepult". "Es
läuft viel anarchistischer als auf einem normalen Parteitag, sagt Andreas
Braun. Vielleicht haben deshalb schon angefragte Gastredner abgesagt. "Die
sagen: toll, dabei zu sein, und haben gleichzeitig Probleme, mit den Grünen
in Verbindung gebracht zu werden", sagt Marc Mausch. Die Promis aus den
eigenen Reihen wie Rezzo Schlauch und Reinhard Bütikofer sind natürlich
online.
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